Der große Schwindel (Teil 1)

                                

Folgender Artikel soll in erster Linie zum Nachdenken anregen. Er wird vielleicht die Meinung einiger Leser oder das Wissen um die Pferdefütterung in seinen Grundfesten erschüttern, aber hoffentlich dazu beitragen, dass sich der ein oder andere seinen Müslisack oder das Mineralfutter schnappt und die Zutaten und vor allem die Zusatzstoffliste etwas genauer ansieht.

 

Alle Vitamine (außer Vitamin E) werden vom Pferd bzw. dessen Darmbakterien selbst gebildet. Somit erübrigt sich die Supplementierung durch synthetisch hergestellte Vitamine bei Pferden mit einer gesunden Darmflora.

Synthetische Mikronährstoffe sind alles andere als gesund und erhöhen die Sterblichkeitsrate schon in geringen Dosierungen, da sie das Krebsrisiko erhöhen und andere Krankheiten wie Diabetes (EMS beim Pferd) begünstigen, allen voran Vitamin A & E und Selen. Studien am Menschen haben das bereits belegt und es liegt Nahe, dass auch unsere Pferde nicht unbedingt von synthetischen Mikronährstoffen profitieren. Langzeitstudien am Pferd gibt es leider noch nicht (wäre mir nicht bekannt), trotzdem ist auffällig, dass sich trotz verbesserter Haltungs- und Fütterungsbedingungen die Anzahl der Koliken, Hufrehe, Ataxien, chronischen Lungenerkrankungen, Equines Metabolisches Syndrom (EMS) und Cushing häufen. Diese Entwicklung geht einher mit dem Aufkommen standardiesierter Fütterung von Mineralfutter und voll vitaminisierter und mineralisierter Müslis.

Die Forschung am Pferd hat sich bisher auf die Auswirkungen von Mangelerscheinungen und Überdosierungen konzentriert, aber nicht auf den langfristigen Einsatz von synthetischen Zusatzstoffen und dessen Wirkung auf den Stoffwechsel/Hormonhaushalt/Körper.

Sicher ist es toll zu hören „In diesem Müsli ist alles drin, was dein Pferd an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen braucht!“, aber sind wir doch mal ehrlich und bleiben bei der Wahrheit:

Synthetische Vitamine, Mineralien und Spurenelemente können vom Körper nur schwer bis gar nicht verarbeitet werden, dies betrifft vor allem Oxid-Verbidungen, also werden sie viel zu hoch dosiert zugesetzt, damit überhaupt irgendwas in den Zellen ankommt. Der große Rest wird unter erheblicher Mühe vom Körper wieder ausgeschieden. Das belastet den gesamten Stoffwechsel und führt unter anderem zu Leber- und Nierenschäden, Fellwechselstörungen, Sommerekzem, Hufrehe,…

Sicherlich gibt es inzwischen auch Mineralfutter und Müslis, die chemische Verbindungen enthalten, wie Aminosäure-Chelat-Verbindungen, die besser verwertet werden können, das Problem dabei ist, dass diese Mikronährstoffe volllkommen aus dem Zusammenhang gerissen sind und nicht auf das jeweilige Pferd abgestimmt. Eine Pflanze enthält ja nicht nur Vitamine, Mineralien und Spurenelemente, sondern noch viele Tausend weitere Stoffe, die dazu beitragen, dass sie optimal verwertet werden können. Das Pferd ist an die Verwertung natürlicher Stoffe angepasst und nicht an billige Kopien aus dem Labor.

Die Bestandteile des Zusatzfutters, die natürliche Vitamine, Mineralien und Spurenelemente enthalten wie Hafer, Gerste, Mais… werden „tot gekocht“, denn das Wort „thermisch aufgeschlossen“ bedeutet nur, dass das Getreide auf bis zu 250°C erhitzt wird. Entsprechend wenige Vitalstoffe bleiben übrig, denn Hitze zerstört die Molekularstruktur. Und das alles nur damit die Stärke vom Pferd besser verdaut werden kann.

Fazit: Dass, was letztendlich im Futtertrog landet sind Stärke und Chemie aus dem Labor und hat nichts mit einer naturkonformen und artgerechten Fütterung zu tun.

Um die Umsatzzahlen zu erhöhen bedienen sich manche Futtermittelhersteller noch einem Kniff und behaupten: "Pferde würden von Heu nicht satt!"

Das ist glatt gelogen!

-Das Verdauungssystem von Pferden ist auf Gräser, Kräuter, Wurzeln, Rinden, Blätter und Samen ausgerichtet und sie fressen seit Jahrtausenden nichts anderes. Das tatsächliche Problem liegt an dem Vitalstoffmangel des Heus! Die meisten Pferdebesitzer und Einstellbetriebe haben bei der Wahl des Heulieferanten keine große Auswahl, denn das Heu muss bezahlbar sein und möglichst nah am Hof produziert werden, um sich lange Transportwege und die damit verbunden Kosten zu ersparen. Verständlich! Leider kommt das Heu oft von Hochleistungsweiden.

Hochleistungsweiden enthalten nur etwa 1-4 Pflanzenarten, die schnell wachsen und eigentlich für das Verdauungssystem von Wiederkäuern gezüchtet wurden. Sie sind arm an den für Pferde notwendigen Vitalstoffen und reich an Zuckerverbindungen und so fressen unsere vierbeinigen Freunde leider oft mehr Heu als sie eigentlich bräuchten, um das Defizit an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen wieder auszugleichen. -

Und dann soll man auch noch 2-3kg täglich von dem Stärke-Chemie-Brei an sein Pferd verfüttern, damit es satt wird!

Problematisch wird es, wenn das Gros derartige Verkaufsstrategien glaubt und das ist leider längst passiert! Nur wer sind die Leidtragenden?

Hauptgrund für solche Verkaufsstrategien ist nach wie vor der Profit.             

Synthetische Vitamine & Co. sind wesentlich günstiger in der Produktion und unterliegen nicht den natürlichen Schwankungen, sind wetterunabhängig und müssen nicht geerntet werden. Sie werden in riesigen Mengen (weltweit jährlich mehrere Tausend Tonnen) produziert, sind gut und lange zu lagern.

Beweise, dass synthetische Vitamine, Mineralien und Spurenelemente nicht den versprochenen Nutzen bringen, sondern eher dazu tendieren schädlich zu sein, gibt es genug! Nur leider hinkt die Forschung bezüglich unserer Pferde ziemlich hinterher. Und diesen Umstand machen sich die Futtermittelhersteller zu nutze. Wer denkt denn schon an die 2kg Müsli täglich, wenn das Pferd an Arthrose erkrankt?

 

 

 

 

Der große Schwindel - Teil 2

Der gróße Schwindel - Teil 3

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