Der große Schwindel (Teil 2)

Getreide in der Pferdefütterung

                          

Wie in Teil 1 beschrieben, sind Pferde in erster Linie Gras- und Käuterfresser und ihr gesamter Organismus ist darauf ausgelegt. Sicherlich verirrt sich ab und zu eine Getreidepflanze ins Maul unserer vierbeinigen Lieblinge, aber sicher keine 2kg pro Tag! Getreide ist grundsätzlich kein geeignetes Futter für Pferde. Trotzdem kann es Sinn machen Pferden Getreide zu füttern. Dies betrifft allerdings nur Pferde, die täglich schwere Arbeit verrichten wie Leistungssportpferde und Waldarbeitspferde. Sie können die zusätzliche Energie gut gebrauchen und verwerten diese auch. Doch welches Getreide sollte gefüttert werden?

Hafer!

Jetzt werden einige die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und sagen: „Ich kann meinem Pferd doch keinen Hafer füttern! Hafer enthält viel zu viel Protein!“

Das ist grundlegend falsch.

Irgendwann hat ein Autor (wer und wann, weiß heute keiner mehr) behauptet, Hafer hätte viel Protein. Das stimmte aber nicht und andere haben diese falsche Behauptung einfach abgeschrieben. Hafer enthält gerade mal 11% Eiweiß und muss im Vergleich zu anderen Getreidesorten nicht thermisch behandelt werden, damit die Stärke (Stärkegehalt 40%)  für´s Pferd besser verdaulich wird. Die Verdaulichkeit von unbehandeltem Hafer (ganzes Korn) liegt bei Pferden bei etwa 80% und ist somit das Bestgeeignete Getreide für Pferde. Hafer wird also in „rohem“ Zustand verfüttert und behält deshalb sämtliche Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Weiterhin enthält Hafer einen hohen Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und einen geringen Anteil  Gluten.

Zum Vergleich:

Gerste: Protein 9%,  Stärke 50%, Stärkeverdaulichkeit unbehandelt  <25%

Mais: Protein 9%, Stärke 60%, Stärkeverdaulichkeit unbehandelt 30%

Um die Verdaulichkeit zu steigern, werden die Getreidekörner thermisch behandelt. Dabei bleiben allerdings nur wenige Inhaltsstoffe wie Proteine und Vitalstoffe erhalten, da sie sehr Hitzeempfindlich sind.

Nun gibt es wieder Futtermittelhersteller, die nach Alternativen suchen, nicht zuletzt um sich von der Konkurrenz abzuheben. So heißt es nun: „Dinkel ist der bessere Hafer!“

Und schon wieder glatt gelogen! Dinkel stellt in keinster Weise eine Alternative zu Hafer oder anderen Getreidesorten dar.

Dinkel ist ein sogenanntes Urgetreide und der Vorläufer unseres heutigen Weizens. Wie die meisten vielleicht wissen, besitzt Weizen einen hohen Anteil an dem sogenannten Klebereiweiß (Gluten). Dieses Klebereiweiß ist wichtig für Teigwaren. Das Klebereiweiß sorgt dafür, dass der Teig elastisch bleibt und Flüssigkeit bindet. Auch Dinkel besitzt einen sehr hohen Anteil an diesem Klebereiweiß und ist deshalb äußerst ungeeignet für Pferde. Denn das Gluten verklebt (umgangssprachlich) die Magen- und Darmschleimhäute. Genauer gesagt kann es zu einer Immunreaktion kommen. Dass heißt, das Immunsystem meint das Gluten wäre ein Feind und bekämpft es im Dünndarm mit Antikörpern.  Dabei wird die Dünndarmwand in Mitleidenschaft gezogen und die Nähr- und Vitalstoffaufnahme wird verringert und verursacht so die verschiedensten Krankheiten (mal abgesehen von Übergewicht) wie Blähungen, Koliken, Darmentzündungen,  im späteren Verlauf Gelenkentzündungen (Arthritis, Arthrose), Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- und Nierenschäden.

Und nun fragen wir uns einmal, ob es nicht sinnvoller ist die Ernährung unserer Pferde so naturnah und bedarfsgerecht wie möglich zu gestalten, anstatt die gesundheitsgefährdenden Versprechungen einiger Futtermittelersteller zu glauben!?

Die Natur macht es uns vor! Wir müssen nur folgen! Mehr dazu und dem Säure-Base-Haushalt  in Teil 3

Der große Schwindel - Teil 1