Der große Schwindel (Teil 3)

Wohlstandskrankheiten als Folge fütterungsbedingter Säure-Basen-Imbalancen

Wohlstandskrankheiten, oder auch Zivilisationskrankheiten genannt, werden definiert als Krankheiten, die in Industrieländern häufiger vorkommen als in der Dritten Welt. Zivilisationskrankheiten werden nicht durch die Zivilisation selbst, sondern durch einen ungesunden, der Physiologie nicht entsprechenden Lebensstil verursacht, z.B. durch Bewegungsarmut und/oder Überernährung. Im Falle unserer Hauspferde bedeutet das, dass sie aufgrund zu reichlicher und nicht naturkonformer Fütterung gepaart mit unzureichender Bewegung, Lichtmangel, Staub- und Toxinbelastung krank werden. Mögliche Krankheiten die daraus resultieren können Hufrehe, Sommerekzem, EMS, Headshaking, Atemwegserkrankungen und Allergien sein. All diese Krankheiten resultieren aus Stoffwechselstörungen, die durch Fütterungsfehler und den daraus folgenden Säure-Basen-Imbalancen verursacht werden.

Der Säure-Basen-Haushalt bezeichnet verschiedene physiologische Regelmechanismen. Diese Regelmechanismen halten die pH-Werte in den verschiedenen Körperregionen aufrecht, wobei die Skala von 0 (= sauer) bis 14 (=basisch) reicht (7 = neutral). Das Blut des Pferdes sollte beispielsweise einen pH-Wert zwischen 7,36 und 7,44 haben (dieser Wert ändert sich nur in Extremfällen = metabolische Azidose), also basisch sein, der Magen hingegen muss sauer sein. Grundsätzlich funktioniert der Pferdekörper am besten, wenn (bis auf den Magen) alle Bereiche neutral bzw. mehr oder weniger basisch sind. Bei artgerechter und naturnaher Fütterung läuft alles seinen gewohnten Gang – Der Nahrungsbrei wird im Magen mit Magensäure vermischt (das tötet Keime und spaltet bestimmte Inhaltsstoffe auf), aus der Bauchspeicheldrüse wird besonders basisches Sekret abgegeben, um u.a. den Mageninhalt zu neutralisieren und für den Weitertransport in den Darm vorzubereiten. Dort sorgen Enzyme und  Mikroorganismen dafür, dass Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente vom Körper aufgenommen werden können.

Doch was passiert durch fehlerhafte Fütterung?

Bei falscher Fütterung entstehen vermehrt Säuren. Der Körper kann aber nur bis zu einer bestimmten Grenze Säuren neutralisieren und abgeben. Wenn die Entgiftungskapazitäten von Leber, Nieren, Darm und Haut ausgeschöpft sind, beginnt der Körper die Säuren einzulagern, vorzugsweise im Bindegewebe. Kurzfristig stellt dies für den Organismus kein Problem dar. Bei ausreichender Bewegung und richtiger Fütterung können diese eingelagerten „Schlacken“ wieder abgegeben werden. Wenn allerdings die Säurebelastung bestehen bleibt und die Aufnahme der Säuren in das Bindegewebe nicht mehr möglich ist, weil dieses „voll“ ist, beginnt der Körper die Säuren in anderen Bereichen wie den Gelenken und der Muskulatur einzulagern.  Der Weg für die oben beschriebenen Krankheiten ist nun geebnet. Der Organismus versucht natürlich weiterhin die „Schlacken“ zu neutralisieren und auszuleiten. Wenn über die Nahrung nicht ausreichend Basen aufgenommen werden, um dies zu ermöglichen, beginnt er nun aus körpereigenem Gewebe basenbildende Stoffe wie Calcium (vornehmlich in Knochen enthalten) zu bekommen. So entstehen degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose.

Je nach körperlicher Konstitution, Alter, Haltungsbedingungen und anderen negativen Umwelteinflüssen  (Umweltgifte, Elektrosmog,…) dauert dieser Prozess unterschiedlich lang. Deshalb tut sich der ein oder andere (insbesondere die Schulmedizin) auch schwer solche Krankheiten mit dem Säure-Basen-Haushalt und der fehlerhaften Fütterung in Verbindung zu bringen, da sich dieser Prozess über viele Jahre hinziehen kann! Futtermittelhersteller machen sich diesen Umstand sogar noch zu Nutze und weisen jeglichen Vorwurf von sich!

Erste Anzeichen einer Übersäuerung können Lustlosigkeit, Nervosität, Leistungsschwäche, auffällige Dellen im Gewebe (wie Cellulite beim Menschen), Muskelverspannungen (Krämpfe), wiederkehrende Krankheitsbilder (Therapieresistenz), Kotwasser, Durchfall und Koliken sein.

Was macht man denn nun falsch und wie kann man vorbeugen oder gar Abhilfe schaffen?

Grundsätzlich gilt:

  • Getreide gehört nicht in den Futtertrog! (ausgenommen Leistungssport- und Arbeitspferde) Alle Getreidesorten sind säurebildend!
  • Grassilage und Heulage sind kein geeignetes Grundfutter! Silage und Heulage werden durch Milchsäuregärung haltbar gemacht. Bei diesem Konservierungsprozess kommt es sehr häufig zu Fehlgärungen und Schimmelpilzbefall, was im Pferdedarm zu Fäulnis und Gärung führt. Qualitativ hochwertiges Heu ist das einzige wirklich geeignete Grundfutter für Pferde!
  • Stress und Bewegungsmangel führen zu vermehrter Säurebildung > Haltungsbedingungen optimieren
  • Kräuter, Früchte, Samen, Wurzeln und Rinden versorgen das Pferd mit essentiellen Aminosäuren, Omega-3-Fettsäuren, Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zudem sind sie basenbildend und helfen bei der Neutralisierung von Säuren und der Ausleitung von „Schlacken“

 

Der große Schwindel - Teil 1

Der große Schwindel - Teil 2