Alternative Behandlungsmethoden bei Phlegmone

Erfahrungsbericht zur Behandlung von Phlegmone mit Meerrettich und Ingwer

Um das gleich vorweg zu nehmen: Folgender Artikel ist kein Freibrief zur Selbstbehandlung! Eine Phlegmone ist immer ein Notfall und es gehört ein Tierarzt zu Rate gezogen, um die Diagnose zu stellen und über Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären.

 

Was ist eine Phlegmone?

Eine Phlegmone ist eine bakterielle Infektion des Unterhautbindegewebes und der Lymphgefäße. Ursache sind sich schnell verschließende kleine Wunden oder Insektenstiche, da es sich hier um anaerobe Bakterien handelt, also solche, die keinen Sauerstoff benötigen. Auch Mauke kann eine perfekte Eintrittspforte für diese Erreger sein. Im Prinzip kann jeder Teil des Pferdekörpers betroffen sein, aber meist sind es die Gliedmaßen, insbesondere die Hinterbeine. Die Phlegmone kann mit oder ohne Abszessbildung von statten gehen.

Auffällig wird das Pferd durch eine Schwellung und Berührungsempfindlichkeit des betroffenen Bereichs. Zudem ist die Stelle warm. Im weiteren Verlauf bekommt das Pferd häufig hohes Fieber (40°C) und wird schlapp, müde und verweigert die Futteraufnahme. Die Entzündung breitet sich rasend schnell aus. Innerhalb weniger Stunden kann z.B. aus einem harmlosen Insektenstich am Bein eine großflächige Schwellung entstehen. Oft gehen die Pferde stark lahm oder belasten das betroffene Bein gar nicht mehr. Muskelzittern aufgrund der starken Schmerzen und des Fiebers ist möglich. Zudem kann es durch die Überbelastung des gegenüberliegenden Beins zu einer Belastungsrehe kommen.

 

Was macht der Tierarzt?

Der Tierarzt untersucht das Pferd und wird per Ausschlussverfahren bzw. Anhand des Zustandes des Pferdes versuchen herauszufinden, ob es sich um eine Phlegmone handelt oder "nur" eine Verstauchung, ein Ödem, ...

Wird die Phlegmone diagnostiziert wird ein Breitbandantibiotikum und ein Entzündungshemmer gespritzt. Zudem werden Antibiotika in Tablettenform für die nächsten Tage bereitgestellt.

 

Was kann ich selbst tun?

Solange das Pferd noch nicht mit Antibiotika und Entzündungshemmern behandelt wurde, wird der betroffene Bereich gekühlt, um die Ausbreitung der Entzündung einzudämmen. Zudem sollte das Pferd in eine Box gestellt werden, damit es sich so wenig wie möglich bewegt und die Erreger nicht noch weiter im Körper verteilt werden und vor feindseligen Artgenossen verschont bleibt.

Wenn Antibiotika verabreicht wurden und das Fieber sinkt (meist am nächsten Tag) sollte das Pferd wieder mehrmals  täglich im Schritt bewegt werden, um den Abtransport der Flüssigkeiten zu fördern. Je nachdem wie stark die Phlegmone ausgeprägt war und das Pferd "Laufwillig" ist, kann dies zwischen 10-30 Minuten sein.

Weiterhin können wärmende Bandagen und/oder Angussverbände hilfreich sein. Dazu nimmt man entweder nur warmes Wasser oder man fügt ein Antiseptikum hinzu oder man bedient sich eines Ringelblumentees. Ringelblumen wirken ebenfalls antiseptisch. Dazu gibt man 200g Ringelblumenblüten in 10 Liter kochendes Wasser und lässt dies ziehen bis der Tee auf etwa 30°C abgekühlt ist. Dann entnimmt man die Ringelblumenblüten und gießt langsam ca. 500ml von dem Tee von oben in den Verband hinein. Sobald man das Gefühl hat der Verband erkaltet, gießt man wieder 500ml hinein bis die 10 Liter aufgebraucht sind.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es noch?

Falls man ein (persönliches) Problem mit Antibiotikagaben hat, das Pferd Unverträglichkeiten gegenüber Antibiotika hat, es sich um Antibiotikaresistente Keime handelt oder bereits wegen einer vorangegangenen Erkrankung/Phlegmone Antibiotika verabreicht wurden und die Zerstörung der Darmflora durch die Antibiotika droht,... kann man sich in Absprache mit dem Tierarzt des Meerrettichs bedienen.

Meerrettich ist ein natürliches Antibiotikum, bei dem keine Resistenzbildungen zu erwarten sind und er soll die Darmflora nicht zerstören. Laut Dr. Stefan Brosig ist eine Dosierung von 20g pro 100kg Körpergewicht ausreichend. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass diese Dosis nur wirksam ist, wenn die Entzündung gerade erst beginnt, also sehr früh erkannt wird. Wenn die Entzündung bereits weiter fortgeschritten ist, sollte man eine Dosierung von etwa 35-50g pro 100kg Körpergewicht ansetzen.  Je nachdem wie lange der Meerrettich bereits gelagert wird. Je frischer er ist, desto weniger benötigt man. Zudem gilt beim Meerrettich zu beachten, dass er erst etwa 24 Stunden nach dem Füttern Wirkung zeigt. Sobald das Fieber sinkt (beim Meerrettich meist an Tag 2 oder 3), kann wie bei der Antibiotikagabe begonnen werden das Pferd wieder zu bewegen und den Abtransport der angesammelten Flüssigkeit zu fördern.

Meerrettich muss immer frisch gerieben (oder püriert) verfüttert werden, da seine Wirkstoffe (Senföle) Sauerstoffempfindlich sind. Deshalb ist es ratsam immer einen kleinen Vorrat im Kühlschrank zu haben.

Weiterhin kann man Ingwer als natürlichen Entzündungshemmer nutzen. Nicht nur um die Phlegmone einzudämmen, sondern auch um eine Belastungsrehe zu verhindern. Die Dosierung beginnt hier bei 5-10g pro 100kg Körpergewicht.

Die Dauer der Meerrettich- und Ingwerfütterung ist abhängig von der Schwere der Phlegmone. Ich habe die besten Erfahrungen gemacht, indem ich 1 Woche lang hochdosiert wie oben angegeben Meerrettich gefüttert habe und dann über einen Zeitraum von nochmals 2 Wochen die Dosis herabgesetzt/ausgeschlichen habe. Bei Phlegmone anfälligen Pferden bietet es sich an immer wieder (entweder als 2 wöchig Kur oder jeden 2.-3. Tag) eine Dosis von 20g pro 100kg Körpergewicht Meerrettich unter das Futter zu mischen.

Zur weiteren Unterstützung kann man Echinacea füttern. Sie erhöht die Anzahl der Leukozyten (Fresszellen) und kann so das Immunsystem des Pferdes bei der Bekämpfung der Eindringlinge unterstützen. Auch Brennessel soll sich äußerst positiv auf das Immunsystem auswirken.

Meerrettich und Ingwer sollten immer wieder in geringer Dosis dem Futter beigemischt werden, um die Pferde an den Geschmack und Geruch zu gewöhnen, um im Ernstfall keine Probleme mit dem Verweigern des Futters zu haben.

 

Zusätzlich wurde seit Beginn der Phlegmone eine Kur mit Bio Immun-Fit  (enthält u.a. Echinacea) durchgeführt.

 

Vor- und Nachteile des Meerrettichs im Überblick:

Vorteile:

  • Keine Resistenzbildungen der Keime durch hohe Wirkstoffvielfalt des Meerrettichs zu erwarten
  • Wenig bis keine Störung der Darmflora
  • Pferde fressen Meerrettich in der Regel sehr gern
  • Einfach in der Handhabung und leicht zu beschaffen
  • Sehr günstig im Einkauf mit ca. 5,00€ pro 1kg

Nachteile:

  • Wird die Futteraufnahme verweigert, wird es schwierig eine ausreichende Dosis ins Pferd zu bekommen
  • Es dauert recht lange (mind. 24h) bis der Meerrettich Wirkung zeigt

 

 

Quellen und weiterführende Informationen:

Dr.Stefan Brosig "Ingwer, Meerrettich und Süßholz in der
Pferdefütterung"

http://www.pferde-klinik.de/wissen/orthopadie/phlegmone/