Sind Kräuter immer Heilkräuter?

 

Es weht einem um die Ohren wie ein eiskalter Schneesturm mitten im Sommer!

 

In Sozialen Netzwerken, auf Bloggerseiten, ja sogar in „Fachzeitschriften“ wird man immer wieder davor gewarnt Kräuter dauerhaft zu füttern oder dieses oder jenes Kraut sei giftig. „…Was denken sich die Futtermittelhersteller eigentlich so etwas zu verkaufen? Wollen die unsere Pferde vergiften?...“

 

Natürlich nicht!

 

Leider werden Pferde sehr häufig als Grasfresser bezeichnet. Viele Pferdebesitzer wissen gar nicht mehr wie eine bunte Wiese aussieht, vor allem die junge Generation hat wahrscheinlich nie eine bunt blühende Landschaft gesehen und wenn, dann nur auf Bildern. Die meisten Weiden sind nur noch satt grün mit gelben Tupfen von Löwenzahn.

 

Pferde sind keine Grasfresser! Sie sind PFLANZENfresser. Sie haben sich über Millionen von Jahren so entwickelt und daran ändert auch die Domestikation und Zucht nichts, nicht mal ein bisschen. Zum natürlichen Nahrungsspektrum von Pferden gehören viele verschiedene Kräuter, Bäume, Sträucher, deren Blätter, Samen, Beeren, Früchte und Rinden. Monokulturen wie sie nur allzu häufig auf Pferdeweiden und Heuwiesen zu finden sind, hat die Natur nicht vorgesehen.

 

Pferde brauchen die sekundären Pflanzenstoffe wie durchblutungsfördernde Flavonoide, eiweißbindende und adstringierende Gerbstoffe, sekretionsfördernde Bitterstoffe, antimikrobielle ätherische Öle, entzündungshemmende Schleimstoffe und viele mehr. Sie brauchen Sie, damit ihr Stoffwechsel optimal funktionieren kann. Ein Gleichgewicht zwischen Abbau, Aufbau und Entgiftung bestehen bleibt, der Körper gesund bleibt und sich im Falle selbst heilen kann.

 

Eine artenreiche Weide sieht man nur noch selten, artenreiches Heu ebenso. Einerseits ist es Unwissenheit und die menschliche Ordnungsliebe (ist doch toll wenn alles satt grün ist und keine (Un-)Kräuter den Anblick stören wie im Schrebergarten), andererseits angetrieben von Anti-Bio-Kampagnen und Landwirten, die Ihre Monokulturen bewahren wollen.

 

Im Zuge dieses Artikels bin ich mal schnell (wirklich schnell!) über unsere Weide gehüpft, um mal zu sehen, was inzwischen, nach 5 Jahren ohne Düngung (Pferdeäpfel bleiben liegen!) und Sommerbeweidung durch zwei Pferde, so alles wächst. Ich bin selbst überrascht, was ich Mitte August noch alles finden kann. Und das ist noch längst nicht alles! Das sind nur die Kräuter, die meine liebe Kräuterfee und ich auf die Schnelle identifizieren konnten.

 

Hier ein kleiner Überblick, was alles auf einer Weide wachsen KANN und SOLLTE:

 

Pflanze

Die wichtigsten Inhaltsstoffe

Wirkung

Witwenblume

Mineralstoffe, Vitamine, ätherische Öle, Flavonoide, Bitterstoffe

stoffwechselanregend

Giersch

Calcium Magnesium, Phosphor, Silizium, Vitamin C, Kaffeesäure, ätherischee Öle

Entgiftend, blutreinigend, harnsäuretreibend

Frauenmantel

Gerbstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe, Salicylsäure, Harz, Lecithin, Phytosterine, Saponine, Tannine

Harntreibend, magenstärkend, wundheilend, entzündungshemmend, blutreinigend

Johanniskraut

Hypericin, Phytosterin, ätherische Öle, Gerbstoffe, Rutin, Quericitin, Cholin, Flavonoide

Entzündungshemmend, nervenstärkend, beruhigend, schmerzlindernd

Himbeere

Gerbstoffe, Calcium, Eisen, Karotin, B-Vitamine

Entzündungshemmend, zusammenziehend

Wilder Thymian

Thymol, ätherische Öle, Carvacrol, Borneol, Pinen, Cymol, Gerbstoff, Bitterstoff, Saponine

Antiseptisch, auswurffördernd, krampflösend, durchfallhemmend, kräftigend, nervenstärkend

Schafgarbe

Proazulene, Campher, Thujol, Cineol, Eukalyptol, Gerbstoffe, Flavonoide, Bitterstoffe, Cumarin, Mineralstoffe

Entzündungshemmend, anregend, antiseptisch, krampflösend, harntreibend, blähungswidrig, verdauungsfördernd

Brennessel

Kieselsäure, Gerbstoffe, Hitamin, Ameisensäure, Essigsäure, Kaffeesäuren Magnesium, Eisen, Kalium, Silizium, Chlorophylle, Karotinoide, B-Vitamine, Enzyme, Lignane

Blutbildend, stoffwechselanregend, durchfallhemmend, blutdrucksenkend, schleimlösend, wassertreibend, stärkend (Immunsystem), blutreinigend

Wilde Nelke

 ätherische Öle, Flavonoide, Gerbstoffe

Antibakteriell, blutstillend, harntreibend

Spitzwegerich

Schleimstoffe, Aucubin, Catapol, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Labenzym, Kieselsäure

Blutreinigend, heilend, hustenlindernd, harntreibend, zusammenziehend

Rotklee

Pflanzl. Hormone, Asparagin, Flavonoide, Salicylate, Cumarine, Glykoside, Mineralstoffe, Vitamine

Krampflösend, harntreibend, östrogenhaltig

Hornklee

Flavonoide, Wasserstoffderivate, Tannine, Eiweiß

Krampflösend, beruhigend

Löwenzahn

Taraxacin, Carotinoide, Cholin, Saponine, Inulin, Vitamine, Kieselsäure, Spurenelemente, Mineralstoffe

Gallebildend, gallenflussfördernd, nierenanregend, leberstärkend, stoffwechselanregend, antirheumatisch

Dost

Ätherische Öle, Thymol, Terpen, Gerbstoffe, Bitterstoffe

Stoffwechselanregend, blähungstreibend, krampflösend, entwässernd, antiseptisch,  schleimlösend, appetitanregend

Storchenschnabel

Gerbstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe

Blutreinigend, ziehend

Hirtentäschel

Gerbstoffe, Histamine, Flavonoide, Peptid, Calciumsalze, Cholin, ätherische Öle, Saponine

Blutstillend, zusammenziehend, stuhlfördernd

Wiesenknöterich

Flavonoide, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Schleimstoffe, Cumarine, Kieselsäure

Hustenlindernd, harntreibend, blutstillend

Labkraut

Labferment, Kieselsäure, Gerbstoffe, ätherische Öle, Zitronensäure, Glykoside, Flavonoide

Krampflösend, wassertreibend, harntreibend, wundheilend, hautreinigend, drüsenanregend, schleimlösend, steinlösend, blutreinigend

Vergissmeinnicht

Alkaloide, Kalium

Entzündungshemmend, tonisch

Distel

 

 je nach Art verschiedene Wirkungen

Gänseblümchen

Saponine, ätherische Öle, Gerbstoffe, Flavonoide

Blutreinigend, schleimlösend, wassertreibend

Glockenblumen

Gerbstoffe, Bitterstoffe, Inulin, Vitamin C

Zusammenziehend, antiseptisch, wundheilend

Leimkraut

Saponine, Bitterstoffe, Vitamine, Mineralstoffe

Vitaminspendend, stoffwechselanregend

Gipskraut

Phytosterole, Saponine

schleimlösend

Wildes Stiefmütterchen

Saponine, Methylsalicylglykosid, Gerbstoffe, Flavonoide, Kalium

Harntreibend, hautverbessernd, blutreinigend, stoffwechselfördernd

Wiesenfuchsschwanz (vereinzelt)

 

Nährstoffreich > hoher Futterwert

Goldhafer (vereinezlt)

Glatthafer (vereinzelt)

Quellen: "Die Kräuter in meinem Garten" Siegrid Hirsch & Felix Grünberger / "Pferde gesund und vital durch Heilkräuter" Kaja Kreiselmeier

Wenn man den „Anti-Kräuter-Kampagnen“ Glauben schenkt, müssten unsere Pferde schon längst schwerste gesundheitliche Probleme haben oder gleich tot umfallen. Aber das Gegenteil ist der Fall, seit vielen Jahren ohne Mineralfutter und voll vitaminisierte und mineralisierte Müslis, nur mit Kräutern, Bio-Heu und (Bio-)Weide, erfreuen sich unsere Pferde bester Gesundheit, trotz angeblichem Selen- und Zinkmangelgebiet. Woran mag das wohl liegen? Haben wir „Super-Pferde“, die jeglichen (Kräuter-)Störungen Stand halten?

Sicherlich nicht. Wir haben gesunde und vitale Pferde weil wir uns an der Natur ein Beispiel nehmen, die Natur Natur sein lassen und vor allem Geduld haben, dass sie sich entwickeln kann. Kräuter in dieser Vielzahl sind also gut und wichtig für Pferde und haben nur ein zeitlich begrenztes Einsatzgebiet, wenn man sie in therapeutischen Dosen füttert. Kräuter werden also erst zum Heilkraut, wenn man sie in entsprechend hoher Dosierung eine bestimmte Zeit lang füttert. Ansonsten sind es „nur“ Pflanzen, die mit Ihren Inhaltsstoffen – Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Aminosäuren und sekundären Pflanzenstoffen – das Pferd auf natürliche Weise versorgen und es gesund halten.