Endoparasiten - Pferde richtig entwurmen

Insbesondere wenn man sich mit natürlicher und artgerechter Fütterung beschäftigt, kommt man früher oder später zu der Frage „Ist es wirklich notwendig 4 mal im Jahr zu entwurmen?“

 

Zu dem Thema wie man Pferde „richtig“ entwurmt, gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Im folgenden Artikel sollen Vor- und Nachteile zweier Methoden aufgezeigt werden und nützliche Tipps zum Endoparasitenmanagement gegeben werden.

 

Was sind Endoparasiten?

 

Das Wort „Parasit“ bedeutet übersetzt „Tischgenosse“. Das klingt im ersten Moment vollkommen harmlos, ist es aber leider nicht. Die Vorsilbe „Endo“ beschreibt, dass es sich um „im Körper lebende“ Organismen handelt, wobei Endoparasiten verschiedene Stadien durchlaufen, die auch außerhalb des Körpers stattfinden.

 

Welche Endoparasiten finden sich beim Pferd?

 

Klassifizierung

Zugehörige Parasiten

Infizierung durch

Schadwirkung

 

 

 

 

 

Rundwürmer

Nematoden

Große Strongyliden

Larven auf der Weide

 

 

 

 

Larven wandern über Blut zu den großen Darmgefäßen > Schädigung der Blutgefäße, Gefäßwandentzündung, Blutgerinnsel, gestörte Blutversorgung des Darms (Kolik), Lahmheiten, Gefäßwandrisse (innere Blutungen), mangelnder Appetit, Gewichtsverlust, Fieber

 

 

kleine Strongyliden

Aufnahme von Larven auf der Weide

Blind- und Dickdarmentzündung, Appetitmangel, Abmagerung, Leistungsschwäche, Kolik

 

 

Lungenwürmer

Aufnahme der Larven auf der Weide

Larven wandern durch die Darmwand über die Lymphgefäße in die Lunge > Darmentzündung, Lungenschädigung (Lungenentzündung, Husten,…)

 

 

Spulwürmer

Eier aus der Umwelt

Larven wandern über Blut, Leber und Lunge in den Darm > Leberschäden, Lungenschäden, Darmentzündung, gestörte Nährstoffresorbtion, Darmverschluss (Kolik), Darmriss

 

 

 

 

 

 

 

Pfriemenschwänze

(Oxyuren)

Eier aus Einstreu

Darmentzündung, Hautentzündung, Juckreiz

 

 

Zwergfadenwurm

Aufnahme/Befall von Larven aus der Umwelt, Stutenmilch

Larven wandern über Blut und Lunge in den Darm > Darmentzündung, gestörte Nährstoffresorbtion, Lungenschäden

Bandwürmer

Cestoden

 

Infizierte Moosmilben

Verdauungs-störungen, Durchfall, Kolik, Abmagerung

Magendasseln

Gasterophilus intestinalis

 

Eiablage der Magendasselfliege am Fell > Aufnahme der Larven beim Ablecken des Fells

Magenschleim-hautentzündung, Magengeschwür, Magendurchbruch, Kolik

Saugwürmer

Trematoden

Kleine und große Leberegel

Aufnahme mit dem Weidegras

Gewichtsverlust, Blutarmut (Anämie), Leberschäden

 

 

 

Weiterhin können

 

  • Lungenwürmer

  • Rollschwänze

  • Mikrofilarien und

  • Magenwürmer

 

Pferde befallen, diese werden mit den meisten Wurmkuren miterfasst.

 

Warum müssen Pferde entwurmt werden?

 

Im Gegensatz zu ihren freilebenden Artgenossen haben unsere Hauspferde nicht die Möglichkeit frei umher zu wandern. Pferde gehören zum Fernwanderwild und legen bis zu 40km am Tag zurück. Selbst wenn sich ein Wildpferd mit einem Endoparasiten infiziert, ist die Wahrscheinlichkeit einer Neuinfektion nach absterben des Endoparasiten relativ gering, da die Pferde nie lange an einem Ort verweilen und die ausgeschiedenen Eier oder Larven nicht wieder aufgenommen werden. Zumal die Landschaft nicht nur von Pferden besiedelt wird, sondern auch von anderen Tierarten. Die meisten Endoparasiten sind artspezifisch und sterben im Verdauungstrakt anderer Arten ab.

 

Wildpferde sind entsprechend in einem sehr geringen Maß von Endoparasiten befallen.

 

Hauspferde leben auf sehr begrenzten, oft viel zu kleinen Flächen. Somit kommt es immer wieder zu einer Neuinfektion durch Aufnahme der Eier oder Larven, die teilweise über Jahre im freien Überleben können oder Zwischenwirte nutzen. Zudem erfassen Wurmkuren nicht alle Endoparasiten. Es gibt immer wieder welche, die die Medikation überleben, nicht zuletzt da Wurmkuren häufig falsch angewendet werden. (siehe unten „Wie werden Wurmkuren richtig angewendet?“)

 

 

 

Wie häufig sind Pferde von Endoparasiten befallen?

 

In einer britischen Studie (Quellenverweis: www.horses.ch) wurde festgestellt, dass  70% der untersuchten Pferde von Endoparasiten befallen sind und etwa die Hälfte davon weisen einen Mischbefall mit Rundwürmern und Bandwürmern auf.

 

Der Prozentsatz der mit Bandwürmern befallenen Pferde liegt bei etwa 35%. Etwa 50% der kolikoperierten Pferde weisen einen massiven Befall mit Bandwürmern auf.

 

(Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die Hälfte der Kolik-OPs verhindert werden könnte, würden die Pferdebesitzer mit entsprechenden Wurmkuren den Bandwurm eliminieren!)

 

Aber nur 20% der mit Endoparasiten befallenen Pferde weisen einen gesundheitsbeeinträchtigenden Befall auf, welcher durch entsprechende Medikation (Wurmkuren) behandelt werden muss.

 

 

 

Welche Entwurmungsstrategien gibt es?

 

In erster Linie können zwei Entwurmungsmethoden unterschieden werden:

1. Strategische Entwurmung

2 Zeitgemäße selektive Entwurmung (ZSE)

 

 

Die strategische Entwurmung

 

... wird bis zu 4 mal jährlich mit entsprechenden Anthelminthika (Wurmkuren) durchgeführt. Idealerweise wird vor und nach der Wurmkur eine Kotprobe untersucht, um die Wirkung der Wurmkur nachzuweisen.

 

 

 

Vorteile

Nachteile

-          Der Befall mit Endoparasiten wird kontinuierlich niedrig gehalten

-          Resistenzbildung der Parasiten gegen den Wirkstoff der Wurmkur vor allem bei falscher Handhabung (z.B. zu niedrig dosiert)

-          Kontamination mit Endoparasiten von Stall und Weide wird reduziert

-          Pferde werden eventuell unnütz entwurmt, vor allem wenn keine Kotproben zur Kontrolle ins Labor geschickt werden

 

 

 

 

 

Die zeitgemäße selektive Entwurmung (ZSE)

 

... ist eine Entwurmungsstrategie, die darauf basiert durch ständige und fortlaufende Kontrollen (Kotproben) nur die Pferde zu entwurmen, die einen gesundheitsbeeinträchtigenden Befall mit Endoparasiten aufweisen. Die ZSE soll von einem erfahrenen Tierarzt im Bereich der selektiven Entwurmung begleitet werden.

 

Vorteile

Nachteile

-          Es werden nur die Pferde entwurmt, die einen starken/gesundheits-beeinträchtigenden Befall aufweisen

-          Kotproben sind nicht 100% zuverlässig > trotz negativem Befund kann das Pferd trotzdem einen starken Befall haben zum Beispiel mit Bandwürmern, Magendasseln, Pfriemenschwänzen

-          Resistenzbildung der Endoparasiten gegen die gebräuchlichen Wirkstoffe wird reduziert

-          Bezieht sich in erster Linie auf den Nachweis von großen und kleinen Strongyliden

-          Durch ständige Kontrollen (Kotproben) Kenntnis über den tatsächlichen Befall des Gesamtbestandes

-          Je nach Pferdebestandgröße kostenintensiv

 

 

 

Welche Entwurmungsstrategie am sinnvollsten (Kosten-Nutzen-Rechnung) ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In Ställen mit häufigem Wechsel im Pferdebestand (Verkaufsställe, Berittställe, Turnierställe,…) kann es durchaus zweckmäßiger sein der strategischen Entwurmung den Vortritt zu lassen.

 

In Ställen mit wenig Wechsel oder privaten Pferdehaltungen ist die zeitgemäße selektive Entwurmung durchaus eine Alternative, wobei zumindest im Herbst (nach der Weidesaison) gegen Bandwürmer, sofern kein Speicheltest erfolgt, und bei Sichtung von Dasselfliegeneiern auch gegen Magendasseln entwurmt werden sollte.

 

Spezialfall Bandwurm

 

Häufig werden Wurmkuren verwendet, die nicht den Wirkstoff Praziquantel beinhalten, denn dies ist der einzige Wirkstoff, abgesehen von Pyrantel in doppelter Dosierung, der Bandwürmer abtötet. Bandwürmer scheiden nur intervallmäßig (nur alle paar Wochen oder gar Monate) Eier aus, so dass etwa 2 von 3 Kotproben falsch negativ sind. Seit kurzem gibt es allerdings einen Speicheltest zum Nachweis von Antikörpern. Dieser muss richtig angewendet werden, damit zuverlässige Ergebnisse erzielt werden. Die Pferde dürfen vor der Speichelentnahme mindestens eine halbe Stunde nichts getrunken oder gefressen haben und sie dürfen nicht gearbeitet worden sein (Alles, was den Speichelfluss anregt muss vermieden werden).

 

Bandwürmer stellen ein hohes Gesundheitsrisiko dar, da sie sich an der Darmwand festbeißen und so Darmentzündungen bis hin zu schweren Koliken verursachen.

 

Wird bei einem Pferd ein Bandwurmbefall nachgewiesen, muss der gesamte Bestand gegen Bandwürmer behandelt werden!

 

Spezialfall Magendasseln

 

Dasselfliegen nutzen Pferde zum Überwintern ihres Nachwuchses (= Magendasseln). Die Larven beißen sich an der Magenschleimhaut fest und führen dort zu Magenschleimhautentzündungen bis hin zum Magendurchbruch. Magendasseln können somit nur durch eine Gastroskopie nachgewiesen werden. Bei der zeitgemäßen selektiven Entwurmung wird nur bei Sichtung der Eier im Fell entwurmt. Leider kann es auch hier passieren, dass man die Eier übersieht, vor allem wenn nicht täglich kontrolliert wird.

 

Dasselfliegen/Magendasseln kommen nicht überall vor. In Deutschland häufen sich die Sichtungen im gesamten westlichen Teil. Im Osten Deutschlands werden vor allem im Berliner Raum Magendasseln vorgefunden. Auch in Österreich ist die Verbreitung eher gering.

 

 

Welche Wirkstoffe gibt es?

 

 

Wirkt gegen

Resistenzen

Berichte über Resistenzen

Ivermectin

Alle Magen-Darm-Parasiten, Lungenwürmer, Magendasseln (Ausnahme: Bandwurm), eingeschränkte Wirksamkeit gegen eingekapselte Larven in der Darmwand

Spulwürmer, Pfriemenschwänze (Oxyuren)

gehäuft

Fenbendazol (Benzimidazole)

 

Kleine Strongyliden

Alle (keine Wirkung mehr)

Pyranthel

Oxyuren, Spulwürmer, Hakewürmer, Fadenwürmer

Doppelte Dosierung gegen Bandwürmer

 

Wirkt nur im Darm > keine Wirkung auf Wanderstadien außerhalb des Darms = rascher Neubefall

Kleine Strongyliden

häufig

Moxidectin

Alle Magen-Darm-Parasiten

(Ausnahme: Bandwurm, erstes Larvenstadium der Magendasseln und Lungenwurm)

Spulwurm

gehäuft

Praziquantel

Bandwürmer

 

Keine bekannt

Keine Gewähr für Vollständigkeit!

 

 

 

Wie werden Wurmkuren richtig angewendet?

 

Die Wahl des Wirkstoffes oder Kombipräparates trifft im besten Fall der Tierarzt. Des Weiteren muss das Gewicht des Pferdes korrekt ermittelt werden. Leider wird das Gewicht häufig zu gering geschätzt und die Wurmkur zu gering dosiert. Dies führt dazu, dass zu wenig Endoparasiten und deren Stadien abgetötet werden und die Resistenzbildung beschleunigt wird. Auch das Ausspucken der Wurmkur muss verhindert werden (z.B. Kopf hoch und Maul zu halten) bzw. wenn die Wurmkur ausgespuckt wurde, muss unbedingt nachdosiert werden!

 

Heute erhältliche Anthelminthika sind sehr gut verträglich und richten auch bei Überdosierung (Herstellerangaben beachten) keinen Schaden an. Die Schäden, die durch einen starken Wurmbefall verursacht werden, sind weitaus größer!

 

 

 

Weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Wurmbefalls

 

  • Strenge Weide- und Paddockpflege > Kot alle 2 Tage absammeln

  • Boxen, Offenställe und Unterstände täglich misten

  • Regelmäßiger Weidewechsel, vor allem nach verabreichter Wurmkur

  • Mischbeweidung mit Rindern, Ziegen, Schafen

  • Immunsystem der Pferde unterstützen

 

Gibt es natürliche Wurmkuren?

 

Auf dem Markt häufen sich die Angebote für „natürliche Wurmkuren“. Die Hersteller versprechen die Entwurmung der Pferde mit rein natürlichen Mitteln, die den Stoffwechsel der Pferde nicht belasten.

 

Leider ist es so, dass es keine natürlichen Wurmkuren gibt, es sei denn, es handelt sich um Giftpflanzen. Früher, als noch keine Anthelminthika zur Verfügung standen, nutzte man zum Beispiel Rainfarn zur Entwurmung. Da Rainfarn, aber nicht nur für Würmer giftig ist, sondern auch für Menschen und Tiere, werden solche Pflanzen heutzutage verständlicherweise nicht mehr genutzt.

 

(Ungiftige) Kräutermischungen o.ä. töten keine Würmer und deren Larvenstadien oder Eier ab. Sie können bestenfalls das Immunsystem und die Darmflora der Pferde stärken und somit dazu beitragen, dass sich der Organismus besser gegen einen Befall mit Endoparasiten zur Wehr setzen kann.

 

Auch homöopathische Mittel, sofern man daran glaubt, können nur das Immunsystem aktivieren. Wer sich ein wenig mit Homöopathie beschäftigt weiß, dass der Grundsatz darin besteht Gleiches mit Gleichem zu behandeln. Es werden also vorrangig giftige Substanzen potenziert, die bei einem gesunden Menschen oder Tier die selben Symptome hervorrufen wie die zu behandelnde Erkrankung. Schon aus dem Umstand heraus, dass Endoparasiten keine Erkrankung sind, sondern eigenständige Lebewesen, kann es keine homöopathische Wurmkur geben!


Je natürlicher die Fütterung des Pferdes, desto besser funktionieren Verdauung und Immunsystem!

 

 

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Ein gut funktionierendes Immunsystem ist die Grundvoraussetzung für ein langes und vor allem gesundes Pferdeleben. Bio Immun-Fit enthält eine spezielle Kräuterkombination, die Ihr Pferd auf ganz natürliche Weise unterstützen und das Immunsystem stärken kann.


Fazit

 

Ob man sich für die strategische Entwurmung oder die zeitgemäße selektive Entwurmung (ZSE) entscheiden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wer allerdings glaubt, dass mit der ZSE Kosten eingespart werden können und die Pferde nicht mehr entwurmt werden, der hat das Prinzip nicht verstanden.

 

Die ZSE muss konsequent nach dem McMaster-Plan durchgeführt und durch Speicheltests (Bandwurm) und regelmäßige Fellkontrolle auf Dasselfliegeneier ergänzt werden, damit das Prinzip Sinn macht. Zudem muss bedacht werden, dass sich die ZSE vorrangig auf die großen und kleinen Strongyliden bezieht.

 

Weitere Informationen zur ZSE finden Sie hier http://www.selektive-entwurmung.com/ oder hier https://www.facebook.com/groups/SelektiveEntwumung/

 

 Ein Labor, welches nach dem McMaster-Plan die Kotproben der Pferde auswertet, gibt es hier www.laborparadocs.de

 

 

Quellen und Lesenswertes:

Ingolf Bender/Tina Maria Ritter "Praxishandbuch Pferdegesundheit"

www.selektive-entwurmung.com

www.wurmbekaempfung.eu

www.tiermedizinportal.de

www.equivetinfo.de

www.horses.ch

www.virbac.de