Mineralbar für Pferde - der Tod auf Raten!?

Mineralbars für Pferde werden immer beliebter. Freudig werden Fotos auf Facebook oder Instagram gepostet, auf denen hübsche bunte Steine, Pulver und Kräuter in Trögen präsentiert werden. Doch was ist dran an diesem Hype und ist es wirklich die bessere Option Pferde mit nötigen Mineralstoffen und Spurenelementen zu versorgen?

 

Eine Mineralbar ist nichts anderes als das freie zur Verfügung stellen von Mineralien und Spurenelementen. Sinn des Ganzen soll sein, dass die Pferde selbst entscheiden können, was sie brauchen und was nicht. 

 

 

Den Befürwortern der Mineralbar zufolge, würden wildlebende Pferde gezielt nach mineralhaltiger Erde und anderen Mineralvorkommen suchen, um ihren Mineralstoffhaushalt auszubalancieren. Man möchte die Pferde nicht zwingen ein Mineralfutter zu fressen, sondern den natürlichen Instinkt der Pferde nutzen. 

In einer Mineralbar sind hauptsächlich zu finden: 

  • Dolomit 
  • Salz 
  • Kupfersulfat 
  • Schwefel 
  • Seealgenmehl 
  • (grüne, weiße oder rote) Tonerde 
  • verschiedene Kräuter

 

 

Dolomit 

Dolomit ist ein Karbonat-Gestein, welches in der Hauptsache aus Kalzium und Magnesium beseht. Die Kalzium- und Magnesiumversorgung des Pferdes ist i.d.R. ausreichend über das Heu gedeckt. Nur bei hohen Getreidemengen oder sehr früh geerntetem Heu kann es zu einem Mangel kommen.

 

 

 

Salz 

Salz oder auch Natriumchlorid, ist ein wichtiger Mineralstoff, der vor allem für die osmotische Balance benötigt wird (Elektrolyte). Zur freien Verfügung gestellt, kann das Pferd selbst Defizite aus dem Grundfutter ausgleichen. Vorsicht ist aber bei Fohlen geboten, da diese schnell eine Lecksucht entwickeln können. Auch erwachsene Pferde sollte man bei der Nutzung des Salzlecksteins beobachten. Sehr häufiges Lecken am Salzleckstein kann ein Hinweis auf Stoffwechselprobleme sein und kann zu Durchfall und Nierenschäden führen.

  

Kupfer(-sulfat) 

Kupfersulfat ist das Kupfersalz der Schwefelsäure. Es wird künstlich durch Einwirkung von Schwefelsäure auf Kupferoxide oder Kupfersulfide gewonnen. 

Wenn die Kupfergehalte im Grundfutter sehr niedrig sind (Heuanalyse!), kann es durchaus notwendig werden Kupfer zu supplementieren.

Kupfer ist ein Spurenelement und der Bedarf eines 500kg schweren Pferdes liegt bei etwa 105mg pro Tag.

 

Die Toxizität von Kupfer sollte nicht unterschätzt werden!

 

Bereits mit einmal Lecken am Kupfersulfat-Stein kann das Pferd ein vielfaches der empfohlenen Tagesdosis aufnehmen. Ab ca. 500mg Kupfer kommt es zu Leberschäden und der Verdrängung von Zink.

 

Schwefel als Schwefelbrocken oder MSM 

Schwefel ist ein wesentlicher Bestandteil von Proteinen und der Bedarf des Pferdes wird bei ausreichender Proteinversorgung über das Grundfutter gedeckt. Die übermäßige Aufnahme von Schwefel kann zu Wechselwirkungen mit anderen Mineralstoffen und Spurenelementen führen. (Mal ganz abgesehen davon, dass Schwefelmangel bei Pferden äußerst selten ist, könnte ein Mehrbedarf theoretisch über das Kupfersulfat erfolgen, denn Kupfersulfat ist  die Verbindung zwischen Kupfer und Schwefel. Schwefel als Komponente in der Mineralbar könnte somit entfallen.)

 

Seealgenmehl 

Seealgen (nodosum ascophyllum) sind Meeresalgen, die während Ihres Wachstums Mineralstoffe und Spurenelemente anreichern. Getrocknet und gemahlen werden sie als natürliches Mineralfutter eingesetzt. Wohl dosiert oder als Kur ist Seealgenmehl eine echte Bereicherung des Futterplans. Zur freien Verfügung gestellt, kann es zu Jodvergiftungen oder dem hohen Jodgehalt geschuldet zur Verdrängung anderer Mineralstoffe und Spurenelemente kommen.

 

Tonerde 

Tonerde ist ein natürlich vorkommendes Material, welches seit vielen Jahrtausenden zu Heilzwecken eingesetzt wird.  Wie die Heilwirkung zustande kommt ist noch nicht ganz geklärt. Vor allem die Adsorbtionskapazität und der hohe pH-Wert kommen hierfür in Frage. Allerdings sollte Tonerde immer nur kurweise und entsprechend dosiert verabreicht werden, da nicht nur Giftstoffe, sondern auch Spurenelemente und Mineralstoffe gebunden werden können. Weiterhin kann es bei unkontrollierter Aufnahme zu Verstopfungskoliken kommen.

 

Verschiedene Kräuter 

Kräuter sind eigentlich ein fester Bestandteil des Speiseplans von Pferden und sollten in einer artgerechten Pferdefütterung nicht fehlen. Aber auch hier kommt man ganz schnell in den Bereich der therapeutischen Dosis, wenn die Pferde mehr davon fressen als gewollt, was bei einer Mineralbar eigentlich nicht erwünscht ist.

Sehr oft werden auch zusätzlich Mineralfutter zur freien Verfügung gestellt, was natürlich zu einer chronischen Überversorgung führen kann. 

Die Verwendung von Mineralbars für Pferde ist unverantwortlich!

Sicherlich ist die Vorstellung reizvoll, dass sich die Pferde selbst versorgen können und es beruhigt vielleicht auch bei dem ein oder anderen das Gewissen, denn die Verunsicherung in Bezug auf den tatsächlichen Bedarf der Pferde ist groß. Aber nicht nur, dass in einer Mineralbar Materialien verwendet werden, die potenziell tödlich sind, sondern auch dem Pferd mehr Vertrauen geschenkt wird, als es verdient hat. Pferde die artgerecht aufgezogen wurden, verfügen sicherlich über ein gewisses Maß an Erfahrung (vermittelt von der Mutterstute) und Instinkt, allerdings werden die Erfahrungswerte von der Umgebung geprägt. Welches unserer Hauspferde wächst denn noch auf artenreichen, mehrere Hektar großen Weiden auf?

Hinzu kommt noch, dass die Nutzung der einzelnen Komponenten in einer Mineralbar auch von den individuellen Geschmäckern der Pferde beeinflusst werden.

Des Weiteren basiert die Mineralbar auch auf der Behauptung, dass wildlebende Pferde gezielt mineralstoffreiche Erde suchen und fressen würden. Dies ist aber nur eine Theorie! Bisher gibt es hierzu lediglich vereinzelte Beobachtungen, dass wildlebende Pferde an bestimmten Stellen Erde fressen, das „Warum?“ ist bisher nicht geklärt! Und wenn man das einmal weiter spinnt, stellt sich doch die Frage wie viel Erde die Pferde fressen müssten, um eventuelle Defizite auszugleichen? Denn in der Erde oder im Gestein liegen Mineralstoffe und Spurenelemente zumeist als schlecht verwertbare Oxid-Verbindungen vor. Die Aufnahme über Pflanzen, in denen die Mineralstoffe und Spurenelemente häufig als hoch bioverfügbare Chelat-Verbindungen vorhanden sind, wäre für die Pferde die bessere Wahl. 

In der Mineralbar fehlen außerdem viele Dinge, die wirklich öfter unzureichend im Grundfutter enthalten ist, allen voran Selen, Zink und Mangan und Phosphor als Gegenspieler des Kalzium,… 

Wer seinem Pferd nur das geben möchte, was es wirklich braucht und auf Dauer gesunde und leistungsbereite Pferde haben möchte, lässt mittels einer Heuanalyse den Versorgungsstatus feststellen und supplementiert gegebenenfalls das, was in der täglichen Futterration fehlt.

 

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Quellen:

Wikipedia.org

GfE 2014 "Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden"

Meyer & Coenen 2014 "Pferdefütterung"

Dr. Christina Fritz "Pferde fit füttern"